Hallesche Musiken

Halle - Kupferstich von Friedrich Bernhard Werner, um 1740 (aus: wikipedia.org, CCO)


Mit der Reihe Hallesche Musiken werden Werke verschiedener in Halle (Saale) ehemals wirkender Komponisten und Pädagogen bereitgestellt. Darunter sind geläufige aber auch weniger geläufige Namen wie: Samuel Scheidt, Johann Philipp Krieger oder Daniel Gottlob Türk - um nur einige zu Benennen. Diese Reihe wird für einen begrenzten Zeitraum zur Kostenfreien nicht kommerziellen Nutzung als [PDF] bereitgestellt.

 [ Daniel Gottlob Türk - Sechs kleine Sonaten für Klavier zweite Sammlung Download ]

Die Sechs Kleinen Sonaten (Zweite Sammlung) von Daniel Gottlob Türk (1750 - 1813), Kantor und Universitätsmusikdirektor in Halle (Saale), erscheinen vorliegend in neuer Ausgabe - nach historischer Druckfassung in ein heute gebräuchliches Schriftbild übertragen und versehen mit Hinweisen zur Ausführung verschiedener Details. Wie die Sonaten der Ersten Sammlung zeigen sich die Sonaten trotz durchgängig dreisätziger Anlage unterschiedlich in Form und Charakter sowie zeitlichem Umfang (vier bis zehn Minuten). Im Schwierigkeitsgrad leicht abgestuft bieten sie für den Schüler in den ersten Unterrichtsjahren ansprechende Klangstücke, welche sich gut zur Einführung in die Stilistik der klassischen Epoche eignen.

Daniel Gottlob Türk (1750 - 1813) ist ein bedeutender Komponist, Interpret und Musikpädagoge in der mitteldeutschen Region. Er wurde an der Dresdener Kreuzschule von Gottfried August Homilius und in Leipzig von Johann Adam Hiller ausgebildet und arbeitete in Halle an der Saale ab 1774 als Kantor, ab 1779 als Universitätsmusikdirektor und ab 1787 als Organist an der Marktkirche. 1808 bekam er die Leitung des Stadtsingechores übertragen. Bedeutung erlangte Türk vor allem mit theoretischen und musikpädagogischen Werken, besonders mit seiner Klavierschule (wenn auch statt des Pianoforte noch das Clavichord im Zentrum seiner Betrachtungen steht). Seine Klavierkompositionen (acht Sammlungen Sonaten sowie vier Sammlungen Ton- und Handstücke) sind vor allem didaktisch konzipiert. Gleichzeitig sind sie musikalisch reizvoll und eignen sich im Unterrichtsprozess sehr zur stilistischen Vorbereitung auf die Werke u. a. der Wiener Klassiker. Ebenso bieten sie etwas Ansprechendes auch für den nicht professionellen Pianisten an.

Zu dieser Ausgabe

Als Vorlage dieser Ausgabe diente die Druckausgabe von Breitkopf, Leipzig und Halle 1786. Verschiedene in unserer Zeit nicht mehr oder anders gebräuchliche Schreibweisen wurden an unsere heutigen Lesegewohnheiten angepasst: Die im Sopranschlüssel notierten Partien (überwiegend in der rechten Hand) wurden in den Violinschlüssel übertragen. An Stelle der ursprünglichen senkrechten Staccato-Striche stehen Punkte. Einige vom Komponisten selbst erfundene Symbole, welche sich nicht im allgemeinen Gebrauch durchsetzen konnten, wurden durch heute gebräuchliche Schreibweisen ersetzt. Dazu zählen der "Einschnitt" (ein Zäsurzeichen an Stellen, wo das Ende einer Phrase nicht sicher aus dem Notenbild heraus zu erkennen ist; an diesen Stellen ist hier das heute übliche Atemzeichen notiert) und Symbole für zeitliche Verzögerungen, an deren Stelle die entsprechenden italienischen Termini angegeben werden. Der Gebrauch von Versetzungszeichen entsprach noch nicht in jedem Fall den heutigen Gewohnheiten. So wurden über den Taktstrich hinaus repetierende tonartfremde Töne oft nicht noch einmal neu mit dem Vorzeichen gekennzeichnet (wie der Komponist es auch in seiner Klavierschule vertreten hatte). Diese Zeichen wurden im Kleindruck ergänzt. Entgegen der heute üblichen Schreibweise innerhalb eines Taktes wiederholt notierte Versetzungszeichen wurden in Klammern gesetzt. Beibehalten wurde die Notierung der Symbole für Dynamik in beiden Händen, Ergänzungen des Herausgebers sind klein gedruckt. Die in der Vorlage stehenden Notierungen "volti subito" (sofort die Seite wenden) wurden eingeklammert beibehalten, da in dieser Ausgabe die Seitenwechsel meistens an anderer Stelle erfolgen, jedoch sich aus dieser Anweisung entnehmen lässt, dass der nachfolgende musikalische Gedanke sich ohne Verzögerung anschließen soll. Originale Fingersätze des Komponisten stehen in geradem Druck, Vorschläge des Herausgebers im kleinerem Kursivdruck. In wenigen Fällen wurden (stillschweigend) Mittelstimmen zwecks bequemerer Handverteilung in die andere Notenzeile verlegt.

Hinweise zum Vortrag

 Im Folgenden werden Bezug nehmend auf die Klavierschule von D. G. Türk (Leipzig und Halle, 1789) einige stilistische Dinge angeführt, welche beachtet werden sollten, um einen anregenden, interessanten Vortrag zu erreichen. Manchen Lesern werden sie bereits selbstverständlich erscheinen, Anderen mögen sie eine Hilfe sein. Gleiches gilt für die Fußnoten auf den Notenseiten. Weitere Hinweise sind zu finden in Türks Klavierschule in Kapitel 6 "Von dem Vortrage", Kapitel 3 "Von den Vor- und Nachschlägen" und Kapitel 4 "Von den wesentlichen Manieren".

 Legato wird in der Regel nur dort gespielt, wo es ausdrücklich durch das Wort oder durch den Bogen gefordert wird. Ansonsten werden die Töne voneinender getrennt und bleiben ungefähr drei Viertel ihres notierten Wertes klingend. Dieser Richtwert wird weiter modifiziert wird durch den jeweiligen Charakter der Musik, durch die Betonungsverhältnisse sowie durch weitere Aspekte. Das gewollte Halten einer Note bis zum Ende ihrer notierten Dauer wird mit dem Wort "tenuto" (Abkürzung "ten.") ausdrücklich bezeichnet. Gestoßene Noten (staccato) klingen knapp die Hälfte ihres Wertes und sind nicht automatisch als Betonungen zu verstehen. Die Akzentzeichen, welche trotz des Bedeutungswandels nicht geändert wurden, verlangen keine so schwere Betonung wie man dies heute üblicherweise umsetzt. Metrische Schwerpunkte und andere hervorgehobene Noten (Phrasenbeginn, Betonungsverschiebungen) werden nicht nur durch die Klangstärke sondern vor allem durch abgestufte Klangdauer unterschieden. Das (an Stelle von Türks "Einschnitt" gesetzte) Atemzeichen bedeutet leichteren Anschlag sowie eine Verkürzung der vorangegangenen Note, damit durch die Atemlücke keine zeitliche Verzögerung eintritt. Der Beginn der neuen Phrase wird gegenüber dem Abschluss der Vorhergehenden etwas hervorgehoben, ggf. auch gegen die metrischen Betonungsverhältnisse. Die Zeichen für Dynamik sind nicht als für alle Sätze gleichbleibende absolute Werte zu betrachten, sie bezeichnen Relationen innerhalb einer allgemeinen Klangstärke des jeweiligen Satzes, welche sich nach dem vorherrschenden Charakter der Musik richtet. Das Zeichen  pf  steht für "poco forte" und bezeichnet einen Stärkegrad zwischen "mezzoforte" und "forte".

 Vorschläge werden an ihre folgende Hauptnote gebunden. Sie klingen immer auf der Zeit der Hauptnote und nicht vorher, so dass die Dauer des Vorschlags zu Lasten der Hauptnote geht. In der Frage der Länge der Vorschläge gab es damals keine einheitliche Notationsweise. Türk notiert in seiner Klavierschule die Vorschlagnoten als den Notenwert, welchen sie (nach seinen Erläuterungen) von der Hauptnote einnehmen - bei langen Vorschlägen genau und bei kurzen Vorschlägen (weniger als die Hälfte der Hauptnote) ungefähr. Es ist naheliegend, sich daran zu orientieren. Kurze Vorschläge sollen sich dem jeweiligen Charakter der Musik anpassen. Folgen auf einen langen Vorschlag und seine Hauptnote weitere gleich lang dauernde Noten (meistens in abwärts führender Schrittbewegung), muss gegenüber diesen die Vorschlaggruppe in der Artikulation unterschieden (hervorgehoben) werden.

 Zur Ornamentik: die Manieren sind im Notentext in jedem Satz bei ihrem ersten Vorkommen mit einer Hinweisnummer (fett gedruckt) versehen. Sie verweisen auf die Nummer in den Erläuterungen zur Ausführung auf den Seiten (Nr.). Die verzierenden Noten beginnen ebenso wie die Vorschläge nicht vor der Zählzeit auf welcher die Hauptnote notiert ist. Akzidentien (von der Tonart abweichende Nebentöne) beim Doppelschlag: dem heutigen Gebrauch entsprechend sind die untere Nebennote betreffende Zeichen unter das Doppelschlag-Symbol gesetzt statt darüber.

 Möge die Entdeckung der Kleinen Sonaten Türks viel Freude bereiten!

 Axel Gebhardt

 [©Bellmannmusik 2017] 

 

                                    

 

 

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